
Nach dem Besuch im Krankenhaus sitze ich in der Internatskirche von Tanzenberg. Die Seitenwände des Kirchenschiffes sind völlig kahl. Die Wände des Altar-Raumes wurden in den Neunzigerjahre von Valentin Oman mit Fresken ausgestaltet. Auf den Wänden sind die Menschen nur schemenhaft erkennbar. Sie kommen aus dem All, werden auf der Erde als Menschen geboren, richten sich auf, schreiten auf den Altar zu und verschwinden hinter dem Altar wieder in der Weite des Weltalls. Zuoberst vom Altar thront der Christuskopf, der das Aussehen vom Turiner Grabtuch hat. Ich spreche zum Christus, der für mich die Verkörperung des Leidens ist. Er hat von sich gesagt, dass er gekommen ist um den kranken und hoffnungslosen Menschen beizustehen. Niemand versteht Leid und Schmerzen besser als er, auch kein Arzt. Die Ärzte sprechen immer von Heilung, für sie gibt es kein Versagen. Wo können sich jene hinwenden bei denen die Medizin versagt hat. Sind wir Menschen die Versuchskaninchen Gottes, der uns fallen lässt und uns dann wieder auffängt? Ausprobiert wie viel Angst verträgt der Mensch? Spielt Gott mit uns Katz und Maus.